Ist die Welt ein Dorf?

"Six Degrees of Separation". Illustration: Laurens van Lieshout, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
Das Kleine-Welt-Phänomen. Jeder kennt jeden über sechs Ecken? Illustration: Laurens van Lieshout, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Die meisten von Euch dürften eine ähnliche Situation schon mal erlebt haben: Man ist unterwegs, vielleicht sogar weit entfernt von zu Hause und kommt durch Zufall mit jemandem ins Gespräch. Nach wenigen Minuten stellt sich heraus, dass man irgendwo auf der Welt einen gemeinsamen Bekannten hat. Mit hoher Wahrscheinlichkeit bemüht einer der Gesprächsteilnehmer dann die allseits bekannte Floskel: „Tja, so klein ist die Welt„.

Offensichtlich umspannt unsere Welt ein riesiges Bekanntschaftsnetzwerk. Jeder von uns fungiert darin als Knotenpunkt. Aber wie engmaschig ist dieses Netz? Wie viele menschliche Knotenpunkte stehen wohl zwischen mir und einem völlig Fremden, der an einem weit entfernten Ort lebt?

Im Durchschnitt sechs. Dies behauptete jedenfalls, der US-Psychologe Stanley Milgram im Jahr 1967. Er stützte seine These auf einen Versuch, bei dem er Menschen aus dem mittleren Westen der USA damit beauftragte, einen Brief an eine ihnen unbekannte Person in Boston zu schicken. Sie erhielten lediglich den Namen und einige wenige Informationen über den Adressaten. Sie bekamen die Anweisung, den Brief nur an eine ihnen persönlich bekannte Person zu schicken, von der sie glaubten, sie könne die Nachricht näher ans Ziel bringen.

Tatsächlich kamen einige wenige Briefe im tausende Kilometer entfernten Boston an und Milgram berechnete die durchschnittliche Anzahl der Zwischenstationen. Ergebnis war die These: Jeder kennt jeden auf diesem Planeten über durchschnittlich sechs Ecken.

Für die Ausstellung „Das Netz“ haben wir das Milgram-Experiment wiederholt. Es galt von Deutschland aus Zielpersonen in fünf verschiedenen Kontinenten via E-Mail zu erreichen. Aber haben die E-Mails überhaupt ihre Empfänger erreicht? Und wenn ja, sind es wirklich sechs Bekanntschaftsecken? Die Ergebnisse unseres Versuchs sind ab Ende August im Bereich „Connect“ in der Ausstellung zu sehen.

Hier gibt’s mehr zum Kleine-Welt-Phänomen und zur damit verbundenen Netzwerktheorie:

Veröffentlicht von

Sebastian Hamburger

ist wissenschaftlicher Volontär in der Abteilung Mathematik und Informatik im Deutschen Technikmuseum in Berlin. Seit etwa einem Jahr ist er Teil des Projektteams „Das Netz“.